Was ist Angst?
Angst ist das natürliche Alarmsystem deines Körpers. Es schaltet sich ein, wenn etwas unsicher oder bedrohlich wirkt – z. B. vor einem Vortrag, in einem schwierigen Gespräch oder wenn das Leben überwältigend erscheint. Der plötzliche Ansturm von Sorge oder Spannung soll dich wachsam halten und reagieren lassen.
In kleinen Mengen ist sie völlig normal und sogar nützlich. Bleibt der Alarm jedoch zu lange an, löst ohne klaren Grund aus oder erschwert das Alltagsleben, wird sie erschöpfend.
Wie fühlt sich Angst an?
Jeder erlebt sie anders, aber viele bemerken:
Körperliche Anzeichen
- Rasendes oder pochendes Herz
- Engegefühl in der Brust oder Kurzatmigkeit
- Schwitzige Hände, Zittern oder Shake-Gefühl
- Magenbeschwerden, Übelkeit oder „Schmetterlinge im Bauch“
- Verspannte Muskeln, Kopfschmerzen oder ungewöhnliche Müdigkeit
Mentale und emotionale Anzeichen
- Übermäßige, schwer abschaltbare Sorgen
- Rasende oder wiederkehrende Gedanken
- Gereiztheit, Unruhe oder Überforderung
- Konzentrationsprobleme oder „leerer Kopf“
- Gefühl drohenden Unheils
Verhaltenszeichen
- Vermeidung unangenehmer Situationen
- Einschlaf- oder Durchschlafprobleme
- Mehr Bedürfnis nach Beruhigung
- Aufschieben oder wiederholtes Kontrollieren
Sind mehrere Anzeichen die meisten Tage seit Wochen da, könnte es mehr als normaler Stress sein.
Ist es Angst oder etwas anderes?
Viele Symptome können auch andere Ursachen haben (zu viel Koffein, Schlafmangel, Schilddrüsenprobleme, andere Erkrankungen). Bei neuen, plötzlichen oder schweren Symptomen Arztbesuch empfohlen, um körperliche Ursachen auszuschließen.
Schnelle, private Einschätzung: GAD-7 Angst-Test (~2 Minuten). Validierter Fragebogen für die letzten zwei Wochen. Ergebnisse bleiben privat, können bei Bedarf mit einem Arzt geteilt werden.
Häufige Formen von Angst
- Alltägliche Sorge – kurzfristiger Stress über reale Situationen (normal)
- Generalisierte Angst – anhaltende, schwer kontrollierbare Sorgen über viele Dinge
- Soziale Angst – starkes Unbehagen in sozialen oder Leistungssituationen
- Panikstörung – wiederholte Panikattacken plus Angst vor weiteren
- Kann sich mit Depression oder bipolaren Stimmungsschwankungen überschneiden
Warum entsteht Angst?
Selten nur eine Ursache – meist eine Mischung aus:
- Genetik und familiärer Vorbelastung
- Gehirnchemie und Stresshormone
- Frühere Erfahrungen (Trauma, Dauerstress, große Veränderungen)
- Aktuelle Belastungen (Arbeit, Finanzen, Beziehungen, Gesundheit)
- Lebensstil (Schlaf, Koffein, Bewegung)
Das Tracking von Stimmung, Distress (SUDS), Schlaf und Energie in MoodScale hilft oft, persönliche Trigger zu erkennen.
Einfache Sofort-Hilfen
- Atemübung 4-4-4-4 – Übung: 4 Sek einatmen, 4 halten, 4 ausatmen, 4 halten. Ein paar Runden.
- 5-4-3-2-1 Grounding – 5 Dinge sehen, 4 berühren, 3 hören, 2 riechen, 1 schmecken.
- Sanfte Bewegung – kurzer Spaziergang, dehnen oder ausschütteln.
- Aufschreiben – Sorgen in die App-Notizen.
- Verstärker reduzieren – abends weniger Koffein und Bildschirme.
Langfristig hilfreich:
- Regelmäßiger Schlaf- und Essrhythmus
- Bewegung, die Freude macht
- Mit vertrauten Personen sprechen
- Stimmungs-Tracking für besseres Verständnis der Muster
Wann professionelle Hilfe suchen?
Wenn Angst:
- Die meisten Tage seit Wochen andauert
- Wichtige Dinge verhindert
- Schlaf, Arbeit, Beziehungen oder Energie stark beeinträchtigt
- Häufige Panikattacken enthält
- Zu ungesunden Bewältigungsstrategien führt
Bewährte Optionen: Therapie (KVT gut erforscht), Lebensstiländerungen, ggf. Medikamente – viele finden ihre passende Kombination.
Du bist nicht allein, und mit der richtigen Unterstützung wird es oft leichter handhabbar.